Ein bekanntes Dorf

... die Landschaft aber, die diese Dörfer umgibt, bietet wenig Besonderes dar, und setzt sich aus den üblichen Requisiten märkischer Landschaft zusammen: weite Flächen, Hügelzüge am Horizont, ein See, verstreute Ackerfelder, hier ein Stück Sumpfland, durch das sich Erlenbüsche, und dort ein Stück Sandland, durch das sich Kiefern ziehen.

Theodor Fontane

Der Herr auf Ribbeck
in Ribbeck im Havelland

Mag sein, dass auf den ersten Blick unsere Landschaft nichts Besonderes bietet, aber dann bei genauerer Betrachtung verstummen diese vorlauten Stimmen. Auch Herr Fontane hat’s hier wohl ganz nett gefunden, denn sonst hätte er sich ja sicher nicht so häufig im Havelland aufgehalten.

 

Ribbeck ist alt. Nachdem 2010 am Ortsrand noch Scherben aus vorchristlicher Zeit gefunden und von fachkundigem Pinsel gereinigt wurden, steht es fest: Ribbeck ist noch älter. So wurden Reste eines Töpferofens und ein Befestigungsgraben aus der jüngeren Steinzeit freigelegt.

 

Genau genommen taucht 1237 das erste urkundlich nachweisbare Familienmitglied der Familie von Ribbeck, ein Heinricus Ritbeke als Domherr in Brandenburg auf. Ob er nun schon hier im Ort hauste, ist unbekannt.

 Aber dann 1375, im Landbuch von Kaiser Karl, wird Ribbeck genannt, mit einem Hof der Brüder Tile und Claus von Ribbeck. Da schon gehörten ein Dorfkrug und eine Mühle zum Dorf-Ensemble. Vom 14. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts blieb das Dorf mit seiner Anzahl an Hofstellen immer gleich groß. 

Durch Zukauf bzw. Zusammenlegung wurde 1828 die Arrondierung zu einem großflächigen Rittergut von der Familie von Ribbeck abgeschlossen.

 

Das heute zu besichtigende Herrenhaus wurde 1893 erbaut. Wenn Herr Fontane einmal in Ribbeck war - leider gibt es keinen verlässlichen Hinweis auf einen Besuch - dann hat er nicht dieses, sondern den Vorläuferbau gesehen. So auch die Textzeile in seiner Ballade: „Und drei Tage darauf, aus dem Doppeldachhaus, trugen von Ribbeck sie hinaus...“

 

Na klar, und 1889, mit dem Erscheinen des Gedichts von Herrn Fontane, betritt das Dorf mit seinem Birnenbaum die große Bühne. 

Die Sage vom Birnbaum war allerdings schon 14 Jahre vorher von Hertha von Witzleben anlässlich eines Familienjubiläums der Familie zu Papier gebracht worden. Und man geht davon aus, dass Herr Fontane diese und andere Verse zur Sage vom Birnbaum kannte und als Vorlage nutzte.

 

Leider stürzt dann 1911 „mittags halbzwölf, ein Sturmorkan“ den alten Birnbaum um. 

Mit dem Sturz des alten Baumes begann die Birnbaumerei erst richtig. Daran beteiligte sich auch der damalige Lehrer, indem er „bescheinigte“ Holzstücke vom Birnbaum vermarktete. Wie erfolgreich er damit war, ist leider nicht überliefert. Auf jeden Fall gibt es heute noch mindestens zwei dieser Holzstücke.

An alter Stelle steht nun wieder ein Birnbaum (offiziell Nr. 4) und in der Kirche ist der Stumpf vom Ersten zu besichtigen. 

 

Der letzte Herr auf Ribbeck, Hans von Ribbeck, wurde 1945 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Sachsenhausen umgebracht und die Familie von Ribbeck flüchtete dann 1947 in den Westen. 

Nach dem Ende der DDR sind Ute und Friedrich von Ribbeck wieder zurückgekehrt und bezogen ein neu erbautes Wohnhaus, an der Stelle des ehemaligen Reit- und Kutschstalls des Gutes.

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